Grundrechtspartei

Veröffentlicht: 19. Juli 2012 in Freiheit, Grundrechte, Piraten

Da es ja gerade im Trend liegt, nehme ich mir doch auch noch die Freiheit ein wenig über Penisse und die Piratenpartei zu bloggen.

Seit ein paar Tagen schon tobt es in meiner Twitter-Timeline. Man bekommt dabei den Eindruck, dass was jahrelang kaum jemanden nennenswert interessiert hat, plötzlich die klarste Sache der Welt ist. Und während ich noch grüble, ist nicht nur die Sachlage schon völlig klar in 140 Zeichen gepackt, sondern auch die Haltung der Piratenpartei ist gefühlt schon sowieso klar. Im Herzen war sie sozusagen schon immer gegen die Beschneidung. Die ein oder andere Aussage verwundert mich allerdings mehr, als dass sie mich überzeugen würde. Leider nehme ich da eine Menge einseitiger Betrachtungsweisen und leider manchmal auch völlig unterirdische Polemiken wahr. Ich denke das müsste nicht sein.

Nicht wenige stürmen gerade wie im Rausch durch’s Internet und wedeln aufgeregt mit dem Grundgesetz. Dort stünde ja alles drin was man wissen muss und die seit Jahrtausenden übliche Beschneidung von Jungen sei selbstverständlich nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Mein Eindruck ist dabei leider, dass in dem Grundgesetz, das da gewedelt wird, die ein oder andere Passage unauffällig herausgerissen wurde.

Dass die körperliche Unversehrtheit der betroffenen Jungen durch eine (durch die Eltern bestimmte) Beschneidung berührt wird, möchte ich dabei gar nicht in Abrede stellen. Wer danach allerdings den Deckel zuklappt und zur Verkündung seiner Meinung schreitet, hat, glaube ich, ein paar Dinge über unsere Grundrechte nicht so ganz verinnerlicht. Manchmal kommt es nämlich tatsächlich vor, dass mehr als eines davon berührt wird und die Rechte, die dadurch geschützt werden, sich gegenseitig in manchen Praxisfällen widersprechen. In diesen Fällen kommt es üblicherweise zu einer Abwägung der Grundrechte.

Mein Eindruck ist gerade, dass meine Filter-Bubble hier auf dem Artikel 4 Auge ein klein wenig blind zu sein scheint. Wir sind natürlich die Grundrechtspartei, außer halt Artikel 4, den finden wir doof… Und auch ein paar andere Nebenaspekte fallen mir hier leider negativ auf.

Im Gegensatz zur augenscheinlichen Entstehung einiger herumgereichten Privatmeinungen der letzten Tage, wird eine Grundrechtsabwägung in einer juristischen Betrachtung nicht als Geschmacksfrage behandelt, sondern es wird die Schwere der Eingriffe in die betroffenen Grundrechte beurteilt. Soetwas wie ‘körperliche Unversehrtheit sticht Religionsfreiheit und wir fahren alle wieder nach hause’ gibt es da nicht. Bei einem schweren Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und einem leichten Eingriff in die Religionsfreiheit wird das sorum ausgehen, bei einem leichten Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und einem schweren Eingriff in die Religionsfreiheit sieht die Sache aber genau andersrum aus.

Käme es zu einer Entscheidung vor dem Bundesverfassungsgericht, müsste dieses genau diese Eingriffstiefe im Falle der diskutierten Beschneidung untersuchen und gegeneinander abwägen. Aus dem Grundgesetz selbst ergibt sich das Ergebnis dieser Abwägung schlicht nicht. Mit einem pauschalen Verweis auf das Grundgesetz kommt man deshalb zu keiner juristischen Erkenntnis in dieser Frage, außer eben man ignoriert sich die Grundrechte so zusammen, wie es einem gerade passt.

Das ist auch das Problem mit dem Schwall an hinkenden Vergleichen, der seit Tagen an meinen durch die Handfläche halb verdeckten Augen vorbeiscrollt. Auch die Betrachtung einer Steinigung, einer Mädchenbeschneidung oder heiliger ins Auge gerammter Nägel bringen einen genau keinen Meter weiter, da diese Dinge weder beim Eingriff in die körperliche Unversehrtheit noch beim Eingriff in die Religionsfreiheit die gleiche Eingriffstiefe haben, wie die Zirkumzision. Das ist leider alles Thema verfehlt und unsinnige Polemik.

Relevanter sind hier schon die medizinischen Betrachtungen der Operation selbst (z.B. auch das Komplikationsrisiko) und der langfristigen Folgen (z.B. für das sexuelle Empfinden). Ein Gericht muss letztlich so objektiv, wie es irgendwie geht, versuchen zu beurteilen, ob die Beschneidung nun sehr schlimm oder sehr risikoreich für den Jungen ist. Dabei ist es nunmal etwas anderes, ob man dem Kind die Haare schneiden, einen Zahn ziehen oder vielleicht ein Ohrloch stechen lässt, oder ob man ihm z.B. einen Fuß abschneidet. Irgendwo dazwischen dürfte wohl die Beschneidung liegen.

Genauso muss das Gericht auch entscheiden, wie stark der Eingriff in die ungestörte Religionsausübung ist. Auch wenn viele von uns seltsame religiöse Riten nicht so wirklich nachvollziehen können, spielen sie für einige Leute doch eine große Rolle. Zu unserem freien Rechtsstaat und unseren Grundrechten, die wir ja alle für sehr wichtig halten, gehört eben auch dazu, dass der Staat diese Bräuche nicht einfach mal so verbieten darf, nur weil sie ihm (bzw. einer gewählten parlamentarischen Mehrheit) spooky vorkommen. Auch die Religionslosen unter uns profitieren davon, dass das ebenfalls regelt, dass der Staat uns nicht dazu verpflichten kann an seltsamen Riten teilzunehmen. Es ist selten gut ausgegangen, wenn der Staat angefangen hat die freie Religionsausübung nach Lust und Laune zu sanktionieren, und viel Leid wurde dadurch schon verursacht. Ich denke nicht, dass man das auf die leichte Schulter nehmen sollte. Entscheidend ist allerdings auch hier wieder wie relevant die Beschneidung eigentlich überhaupt für die Religionsausübung ist. Auch wenn es nicht leicht ist, muss auch hier ein Gericht versuchen möglichst objektiv die Eingriffstiefe in die Religionsfreiheit zu bestimmen. Tatsächlich ist es so, dass es sogar sein kann, dass ein Gericht hier bei einem islamischen Betroffenen zu einem anderen Ergebnis kommt, als bei einem jüdischen Betroffenen. Die Eingriffstiefe ist in den beiden Religionen nämlich nicht genau gleich (soweit ich das beurteilen kann).

Richtig kompliziert wird der Fall aber spätestens dadurch, dass auch noch die negative Religionsfreiheit des Kindes betroffen ist. Das LG Köln hat das dahingehend berücksichtigt, dass die Beschneidung ein irreversibler Eingriff ist, den das Kind bei erreichen der Religionsmündigkeit nicht mehr beeinflussen kann.

Dazu kommt allerdings die Frage, was Eltern mit ihren Kindern so alles machen dürfen und was ihnen der Staat verbieten darf. Dass die Operation risikobehaftet ist, ist z.B. allein noch kein Grund den Eltern hier Vorschriften zu machen. Sonst müsste auch verboten werden, dass Eltern ihre Kinder auf den Kinderspielplatz schicken. Dabei hat es schließlich auch schon böse Verletzungen gegeben. Ein Gericht muss hier letztlich beurteilen, ob die Entscheidung der Eltern objektiv so schlecht für das Kindeswohl ist, dass ein staatlicher Eingriff gerechtfertigt ist.

Der Fall wirft für mich in diesen Punkten vor allem eine ganze Menge Fragen auf.

Zum einen wäre da die medizinische Risiko- und Folgenbewertung der Beschneidung. Anscheinend gibt es in Fachkreisen schon einige Zeit eine lebhafte Diskussion um die medizinischen Details. Allerdings ist das trotz allen dokumentierten Risiken ein Eingriff, den viele Menschen auch ganz freiwillig und selbstbestimmt auf sich nehmen, da sie persönlich schlicht mehr Vor- als Nachteile sehen. Mir fällt es da schwer das einzuschätzen, aber zum Glück gibt es jüngst eine drastische Zunahme an Medizinexperten in meiner Twitter-Timeline, bei denen ich mir Rat einholen kann… Ein Gericht hätte da auf jeden Fall alle Seiten zu hören, nicht nur ausgewählte besonders reißerische Fälle.

Die Bedeutung der Beschneidung für die betroffenen Religionen ist für mich als Konfessionslosen auch eher schwer zu greifen. Der Glaube und was einem dabei wichtig ist, ist eine sehr persönliche Sache. Welche (religiösen) Normen sich dabei ergeben unterliegt meistens auch einem gewissen Wandel. Ist es Muslimen ohne weiteres zumutbar mit der Beschneidung zu warten, bis ihr Kind selbst darüber entscheiden kann? Ich weiß es nicht. Ein Judentum komplett ohne Brit Mila scheint mir aber irgendwie schwer vorstellbar. Kann dieser Akt auch symbolisch vollzogen werden? Das kann ich letztlich nicht für eine andere Religion entscheiden.

Die Betrachtung der negativen Religionsfreiheit erstaunt mich in diesem Zusammenhang ein wenig, muss ich zugeben. Dass der Eingriff in die körperliche Unversehrtheit recht groß ist und sich ein Leben lang auswirkt, kann ich einsehen, warum ein beschnittener, erwachsener Mann seine Religion nicht trotzdem wechseln oder ablegen können soll, sehe ich nicht so ganz. Die dauerhafte Erinnerung an die frühere Religionszugehörigkeit überzeugt mich nicht so recht. Eine religiöse Erziehung bleibt normalerweise auch dauerhaft im Bewusstsein, auch ohne körperlichen Eingriff, und ist auch nicht illegal.

Das führt mich dann aber zu dem kleinen Nebenkriegsschauplatz, der ein gewisses Unbehagen bei mir auslöst. Mein subjektiver Eindruck ist, dass dieses Thema auch deshalb plötzlich so verbissen verfolgt wird, weil es eine willkommene Gelegenheit ist die religiöse Erziehung von Kindern einzudämmen. Ich kenne das von mir selbst, dass es mich manchmal ärgert, wenn Eltern ihren Kindern seltsamen Religionsfoo in der Kopf setzen. Besonders als jemand, der selbst als Kind von diesem ganzen Gedöns betroffen war und sich dann, vielleicht sogar mit unschönen Hindernissen verbunden, davon losgelöst hat, wünscht man sich vielleicht manchmal die (wehrlosen) Kinder würden davon verschont bleiben und dann erst im mündigen Alter selbst frei entscheiden, ob sie überhaupt etwas mit Religion am Hut haben wollen. Ich halte das aber für eine zweischneidige Geschichte, denn dieses staatlich durchzusetzen bedingt, dass der Staat sich dazu entschließt pauschal besser zu wissen, was für die weltanschauliche Erziehung der Kinder das richtige ist, als die jeweiligen Eltern und deren Erziehung nicht nur zu ergänzen, wie z.B. über die Schule, sondern zu verhindern. Das ist ein gefährlicher Pfad, den man da einschlagen würde. Nach Artikel 6 sind staatliche Eingriffe in die Erziehung der Eltern zwar möglich, aber ich denke nicht, dass man damit allzu großzügig umgehen sollte, auch wenn das dann bedeutet, dass Eltern ihren Kindern Religionsfoo eintrichtern, den man selbst in manchen Fällen vielleicht sogar für schädlich hält.

Mein Problem an der Sache ist nun, dass ich nicht die notwendige Kompetenz habe die medizinischen Auswirkungen der Beschneidung objektiv zu beurteilen. Offensichtlich ist allgemein umstritten, ob dieser Eingriff nun schlimm, oder nicht so schlimm ist. Den Eingriff in die Religionsfreiheit hätte ich spontan als erheblich eingeschätzt, allerdings kommen von Angehörigen der betroffenen Religionen teilweise auch zurückhaltende Signale. Persönlich würde ich es für am Besten halten, wenn das Bundesverfassungsgericht hier ein Grundsatzurteil dazu sprechen würde. Dort würde der entsprechende Aufwand betrieben und die entsprechenden Ressourcen eingesetzt, um dieses Frage einigermaßen objektiv zu klären. Der emotionalen und teilweise nervtötend dramatisierten Debatte in meiner aktuellen Filter-Bubble traue ich das momentan nicht wirklich zu.

Für die Piratenpartei halte ich hier ein wenig Zurückhaltung ebenfalls für angebracht. Wer von sich selbst behauptet das Grundgesetz als Parteiprogramm zu haben (was sowieso ein wenig albern ist…), sollte nicht einfach Teile davon komplett ignorieren, schwierige Abwägungen überspringen und in bester Denk-doch-mal-wer-an-die-Kinder-Manier das erst beste missionarisch in die Welt posaunen, das einem seine Emotionen ins Kleinhirn diktiert haben. Ein wenig Zeit zur Kontemplation tut auch im rasend schnellen Internetzeitalter manchmal gut.

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Kommentare
  1. Angesichts des Verhaltens der etablierten Parteien ist es super, dass zumindest die Piratenpartei mal spontan DAGEGEN ist! Die FEHLEN jetzt im Bundestag, wo sie sich grad alle darum bemühen, die Kontroverse zu marginalisieren und möglichst schnell eine religiös-opportune Gesetzgebung festzuklopfen!

    Konservativ werden die meisten irgendwann im späteren Leben, auf die eine oder andere Art. Dann beginnt man, das Ganze zu sehen, will Konflikte vermeiden bis unter den Teppisch kehren – mit guten und schlechten Gründen.

    Und irgendwann wirds dann Zeit, dass eine JUNGE PARTEI dazu kommt, die diesen Kreis der Staatstragenden mal ein bisschen aufmischt!

  2. Hm, ich sehe da also das Grundrecht auf Religionsfreiheit der Eltern(!) vs. dauerhafte(!) körperliche Unversertheit+religiöse Selbstbestimmung des Kindes. Alles Punkte aus dem Grundgesetz.

    Mit welchem Recht nehme ich jemandem die Entscheidung dauerhaft und irreparabel ab, die er irgendwann selber treffen kann und dann ggf. auch im Sinne eines “Neins”? Dann können wir das auch wieder mit den Kastraten einführen. Wen interessiert schon, was der Betroffene später vielleicht selber will. Notfalls verbiegt man Art. 5 GG dafür, ist schließlich Kunst. Irgend einen Grund wird es schon geben, ihn (ggf. auch sie) vorher schon so “hinzubekommen”, dass die Zeichnung ein Leben lang hält und nicht wirklich rückgängig zu machen ist.

    Andererseits ist es aber gerade für Religionen möglich, mal eben jahrzente- oder jahrhunderte alte “Traditionen” umzubiegen, damit sie in die heutige Zeit passen. Gerade fängt ja der Ramadan an (um genau zu sein, seit 0 Uhr, also vor ca. 1h). Das es nicht “heiß” ist, war halt schwer vorher zu sagen, aber es ist dennoch der heilige Monat. Der Monat, an dem “der Koran gesendet wurde”, die Einhaltung eine DER heiligen Pflichten der Moslems. Da sind christliche Tanzverbote quasi nichts dagegen.
    Was da aber an Änderungen vorgenommen wurde, nur weil hier oder da etwas nicht in die heutige Zeit mehr passt. Die Ausnahmen Schwangerschaft und Kindheit sind schon lange nicht mehr die einzigen existierenden.

    Selbiges gilt für die Christen. Die so heilige Geburt Christi (Weihnachten) fällt natürlich nur ganz zufällig auf die Wintersonnenwende der Heiden. Und das die ersten dreihundert Jahre der christlichen Zeitrechnung dieses Ereignis (Geburt) noch auf das Frühjahr fiel, ist bestimmt nur ganz großer Zufall. Sachen, wie mit dem Tanzen nach öffentlich aufgeführter Musik und den unterschiedlichen Länderregelungen hatte ich ja schon angedeutet.

    In der jüdischen Religion wurde versucht, den heiligen Shabbat (Fr Abend bis Sa Abend) zu verlegen. Grund: rein wirtschaftliche Gründe in Ländern mit christlicher Prägung, da sie sonst 2 Tage geschlossen haben mussten. Das hat sich zwar nicht überall durchgesetzt, aber dafür sind die Befürworter teilweise zum Christentum konvertiert…damit der Laden Samstag offen bleiben konnte. Die heutige Ausgestaltung, insbesondere bei den Heranwachsenden in (West)Europa ist auch nicht die Durchsetzung der klaren Regelung, wie sie bei den orthodoxen Juden in Israel (als Extremum) praktiziert wird.

    Das sind nur kleine Beispiele, wie die wichtigsten der wichtigsten wichtigen religiösen Feiertage im Sinne von äußeren und auch zeitlich angepassten Einflüssen plötzlich ganz flexibel werden. Keine Bewertung, aber in dem Moment wo gesagt wird, religiöses Ritual XY wäre sooo wichtig, ist halt doch die Frage nach der Bedeutung der Aussage im Kontext der Zeit und im Kontext der Religion. Religion war noch nie fix, sondern hat sich schon immer verändert. Egal welche und auch unabhängig davon, ob einige Vertreter gerne wieder die Ursprungsregeln zurück haben wollen würden. (Strömungen gibts dazu ja in allen monotheistischen Religionen.)

    Ohne den medizinischen Aspekt OP-Risiko zu betrachten, stellt sich halt die Frage, inwiefern der Eingriff reparabel ist. Ein Tradition, wo ein Kind mal mit Wasser übergossen wurde und regelmäßig geschmacklose Oblaten essen musste, sollte schon anders betrachtet werden, als jemand, wo was abgeschnitten wurde. Zumindest halte ich da Gleichsetzungen für sehr gefährlich, auch im Anbetracht der Erziehungshoheit der Eltern.

    Als kleiner Nachschub noch was zu dem seltsamen Vergleich Spielplatz. Ja, man kann sich da verletzten. Die Wahrscheinlichkeit ist aber eher gering und im Bereich des normalen Lebensrisikos. Kein Elternteil würde sein Kind aber wissentlich auf einen Spielplatz schicken, bei dem es lebensgefährlich verletzt werden könnte, weil das Holz geborsten und das Metall verbogen und scharfkantig ist. Kein Elternteil schickt ein Kind auf einen Spielplatz mit rotierender Kreissäge. Würde dieses ein Elternteil machen, wäre der staatliche Eingriff in die Erziehung aber recht schnell gegeben…Heute haben die Teile Zertifikate und müssen regelmäßig kontrolliert werden mit den Alternativen geprüft oder geschlossen.

    Mit den Vergleichen sollte man also noch immer recht vorsichtig sein. Vor allem, wer selber einen “Schwall an hinkenden Vergleichen” anprangert… ;-)

  3. soulless sagt:

    Ich denke doch auch das es nicht um die Religionsfreiheit des Kindes sondern der Religionsfreiheit der Eltern geht. Es geht aber um die körperliche Unversehrtheit des Kindes.
    Eine Abwägung hierbei fällt mir nicht schwer und das Kölner Landgericht hat diese Abwägung auch so getroffen wie die Meisten.

    Den Eltern ist auch damit gedient wenn sie einfach nur eine rituelle Beschneidung durchführen und das Kind dann die “richtige” nachholen kann wenn es erwachsen ist.
    Das hier eine tausend Jahre alte Tradition nicht dahingehend geändert werden kann das sie sich den heutigen Gegebenheiten und der Rechtslage anpasst halte ich für unwahrscheinlich. Es werden ständig Traditionen geändert und der neuen Rechtslage und dem Moralverständnis angepasst ansonsten würde sich die Gesellschaft gar nicht weiterentwickeln.
    Auch erwartet man bei anderen Traditionen das die Menschen, welche hier Leben und das in ihrer Heimat seit tausenden von Jahren so handhaben, sich anpassen und diese Traditionen aufgeben. Man denke nur an Zwangsheirat und Ehrenmorde.
    Klar sind das alles leicht unterschiedliche Fälle aber im Grundsatz geht es überall um die eine Frage: Sind wir eine Gesellschaft in der für alle erstmal das Recht auf Freiheit und körperliche Unversehrtheit gilt, auch für Kinder?
    Diese Rechte darf man nur unter sehr wenigen Bedingungen einschränken. So hat das Kölner Gericht auf dieser Grundlage auch absolut richtig entschieden.

    Es ist ja auch nicht so das jetzt alle fordern die Beschneidung zu verbieten. Ganz im Gegenteil, es geht darum eben keine Gesetze zu ändern nur um etwas zu erlauben von dem Richter eines Landgerichts, die das bestimmt nicht einfach so aus dem Bauch heraus entschieden haben und sich den Folgen ihres Urteils mit Sicherheit bewusst waren, der Meinung waren das es eben nicht erlaubt ist. Diese Richter haben entschieden das die körperliche Unversehrtheit des Kindes höher zu bewerten ist als die Religionsfreiheit der Eltern. Da kann die Politik nicht einfach kommen und sagen “Wir machen jetzt ein Gesetz das es genau in diesen zwei Fällen aufgrund der Tradition erlaubt”

  4. themadav sagt:

    Als jemand der Betroffen (also mit acht Tagen beschnitten wurde) erschreckt mich diese Debatte doch sehr und mich freut dieser Beitrag daher sehr, da er unaufgeregt ist und wenigstens versucht die andere Seite zu betrachten. Ich finde es erschrecken, wie schnell u.a. vom sexuellem Misshandlungen oder Missbrauch etc. die Rede ist bei einem Ritual, das _bekanntermaßen_ seit tausenden Jahren vollzogen wird. Mir geht’s hierbei nicht um die Alter, nicht alles was alt ist muss gut sein, aber die Annahme dass Juden und Muslimen seit Generationen sich gegenseitig missbrauchen (also Eltern ihre Kinder und die wieder ihre Kinder…) und das das bisher scheinbar niemand gestört hat, finde ich schon erschreckend. Auch weil es unterstellt, dass Juden/Moslems ihre Kinder weniger lieben und weniger um ihr Wohl besorgt sind.

    Ich möchte auch (unaufgeregt) auf ein paar Argumente der Kommentare eingehen:

    Die negative Religionsfreiheit des Kindes – dieses Argument finde ich seltsam, wäre das das Hauptproblem dürften insgesamt Eltern (und der Staat) keinen religiösen auf ihre Kinder ausüben, auf Twitter finden das einige zwar extrem gut, aber das ist doch wirklichkeitsfremd (das würde auch Weihnachten komplett aus dem Kalender streichen und die restlichen gesetzlichen Feiertage auch). Wer jetzt mit der Körperverletzung argumentiert – das ist ein anderes Argument, an dieser Stelle müssten alle religiösen Rituale gleichgerichtet werden weil sie in die negative Religionsfreiheit eingreifen.

    ——–
    Den Eltern ist auch damit gedient wenn sie einfach nur eine rituelle Beschneidung durchführen und das Kind dann die “richtige” nachholen kann wenn es erwachsen ist.
    ——–

    Sagt wer? Du? Ich finde es erschreckend, dass aktuell Außenstehende erstmal entscheiden wollen,was für Religionen akzeptable Rituale sein sollen. Religion mag für Atheisten schwer zu verstehen sein aber im Grunde ist es eine andere Form von Jura und von da aus braucht es auch entsprechend Sachverständige die im Zweifelsfall Änderungen herleiten

    ——–
    Auch erwartet man bei anderen Traditionen das die Menschen, welche hier Leben und das in ihrer Heimat seit tausenden von Jahren so handhaben, sich anpassen und diese Traditionen aufgeben. Man denke nur an Zwangsheirat und Ehrenmorde.
    ——–

    Super Kommentare, insbesondere im Bezug auf Juden. Die jüdische Gemeinde in Köln wurde das erste Mal ungefähr im Jahr 300 erwähnt – das geschichtlich mit dem Argument zu vereinen würde mir schwerfallen…

    ——–
    Ganz im Gegenteil, es geht darum eben keine Gesetze zu ändern nur um etwas zu erlauben von dem Richter eines Landgerichts, die das bestimmt nicht einfach so aus dem Bauch heraus entschieden haben und sich den Folgen ihres Urteils mit Sicherheit bewusst waren, der Meinung waren das es eben nicht erlaubt ist.
    ——-
    Das ist die Frage – man könnte auch argumentieren weil es weder verboten war noch verboten ist, siehe dazu z.B. die Meinung des Altpräsidenten des EGMR und anderer (http://religion.orf.at/projekt03/news/1207/ne120706_beschneidung_konferenz.html, http://www.dw.de/dw/article/0,,16109167,00.html ), folglich bräuchte es keiner neuen Gesetze. Wäre es verboten gewesen, hätten Staatsanwaltschaften das ja auch in den letzten Jahrzehnten verfolgen müssen – ist ja nicht so als ob es verheimlicht worden wäre.

    Daher denke ich, dass, wie oben beschrieben, diese Abwägung nochmals sehr genau durchdacht werden muss, inklusive all ihrer Auswirkungen.

    Gleichzeitig frage ich mich, was, bei der aktuellen Hitze der Debatte passiert, sollte Karlsruhe oder der EGMR entscheiden, dass die Beschneidung rechtens ist – ich fürchte fast, das dies Verschwörungstheoretikern (jüdische Weltherrschaft etc.) Zulauf bringen würde.

  5. Andreas sagt:

    Den Christen verbietet man (zu recht) ihre Kinder zu schlagen – aber schwehre Eingriffe in die Sexualität sind (natürlich nur bei Jungen) kein Problem?

    Bevor du das nächste mal so etwas schreibst informiere dich doch bitte wenigstens flüchtig über biologische und rechtliche Grundlagen -.-

    Gute Nacht.

  6. Triztan sagt:

    Hallo Zusammen,

    ich habe zu der Delegations-Problematik eine einfache Modellrechnung gemacht + grafisch ausgewertet! ;-)

    http://tantriz.blogspot.de/2012/08/der-glucksfaktor-warum-die-piraten.html

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