Von Flaggen und richtigen Problemen

Veröffentlicht: 4. Februar 2014 in Piraten

Etwa einen Monat ringe ich nun mit mir, ob ich etwas zum Thema #Flaggengate/Antifa-Flagge schreiben soll oder nicht, da liefert mir elzoido die richtigen Stichworte und die Debatte dreht sich nun ganz langsam um die richtige Frage, nämlich die worum es sich eigentlich überhaupt dreht.

Ausgehend von Cymaphores Posting über die Organisationsstruktur und Vielfältigkeit „der Antifa“, und der Anmerkung, dass unterschiedliche Leute Unterschiedliches unter „Antifa“ verstehen, schreibt elzoido nochmal auf, warum er die ganze Aufregung nicht nachvollziehen kann. Da möchte ich doch mal versuchen auszuhelfen.

Er versteigt sich dort zu der mutigen Behauptung die Antifa würde mit gewaltbereiten Teilen ebendieser über einen Kamm geschert und gibt einem nichtmal ansatzweise hinterfragten Bild aus den Medien die Schuld daran. Eigentlich bedeute das alles ja nur, dass man halt gegen Faschismus wäre. Da macht es sich mein geschätzter Kollege aber um eine gewaltige Portion Zuckerguss zu einfach.

Die Reduzierung des Problems darauf, dass sich hier irgendwer als Antifaschist zu erkennen gegeben hätte, blendet genaugenommen den gesamten Konflikt einfach vollständig aus und schafft stattdessen einen neuen, aber dazu später mehr.

Die Flagge der Antifaschistischen Aktion ist mitnichten einfach nur irgendein Symbol, das den Träger als Antifaschisten kennzeichnet und das war’s. Es gibt durchaus zahlreiche Gründe, weswegen selbst auf Anti-Nazi-Demos nicht jeder mit so einer Flagge herumläuft.

Das geht schon mit dem historischen Ursprung los, den diese Flagge im paramilitärischen Rotfrontkämpferbund der 20er Jahre hat. Kommunistische Kampfverbände mit Machtergreifungsfantasien a la Stalin sind jetzt schonmal nicht unbedingt jedermans Sache. Aber gut, ist lange her. Wieder ausgegraben wurde die Fahne allerdings auch nicht von irgendwelchen Leuten, die gerade mal gegen Nazis waren und sich dachten ‚hey, wir bräuchten da mal ne Fahne, guck doch mal ob du was findest, wo antifaschistisch drauf steht‘, sondern von autonomen Gruppen. Das sind die, die es nicht so sehr mit dem Grundgesetz, Rechtsstaat oder gewählten Regierungen haben. Kann man machen, muss man aber vielleicht nicht unbedingt. Vor allem wenn man zufällig gerade eine grundgesetzwedelnde Partei ist, die gerne ernstgenommen und vielleicht ausversehen auch mal gewählt werden würde. Natürlich hat sich das dann weiterentwickelt und – auch im Interesse der Autonomen – bedienen sich heute auch weitere Gruppierungen, die mit all dem kein Problem haben, hier und da mal dieser oder daran angelehnter Symbolik.

Dass dabei das fleißig lichterkettende Bürgertum nun angefangen hätte sich, wie gute Antifaschisten, unter diesem Banner einzuordnen, halte ich aber ebenfalls mal schwer für ein Gerücht. Stattdessen tummeln sich darunter z.B. Antikapitalisten, die in unserer ja so furchterbar kapitalistischen Gesellschaftsordnung (gemeinhin bekannt als ’soziale Marktwirtschaft‘) überhaupt erst die Wurzel des Faschismus ausgemacht haben und diese gleich mit zu Fall bringen wollen. Gerne auch indem man erstmal schön regelmäßig Banken und was einem gerade sonst noch in den Weg kommt, wie z.B. Supermärkte, zerdeppert. Macht zwar nicht jeder von denen, kommt aber eben vor. Genau wie die berühmten fliegenden Steine, die z.B. gegen Polizisten, die ja dazu da sind das fiese System™ zu schützen, für einige eben total legitim in den Tiefflug gehen dürfen. Dazu braucht man kein verzerrtes Medienbild, um das nur so semi-gut zu finden und mit denen jetzt vielleicht nicht unbedingt auch gleich noch auf einem Parteitag in Verbindung gebracht werden zu wollen. Ja, die Antifa macht auch ne Menge sinnvolles und auch wenn’s gerade vielleicht nicht so geklungen hat, bin ich unter’m Strich froh, dass es sie gibt. Ich bin allerdings auch schon daneben gestanden, als plötzlich faustgroße Steine auf andere Menschen herabgeregnet sind und finde es mal so gar nicht lustig, wenn man das mit Verweis auf die fiesen Medien einfach mal komplett ausblendet.

Aus dieser Gemengelage zu stricken, dass dieses Symbol nichts anderes aussagen würde, als dass man gegen Faschismus wäre, ist völlig und komplett an den Haaren herbeigezogen. Vor allem, wenn zu allem Überfluss direkt daneben noch eine anarchosyndikalistische Flagge hängt… Man muss sich schon echt anstrengen beim Blindstellen, um diesen Konflikt in ein Für-Antifaschismus oder Gegen-Antifaschismus umdeuten zu können. Der Gedanke die Flagge völlig losgelöst von ihrem Kontext betrachten oder gar selbst verwenden zu können ist absurd.

Und jetzt kommt der Witz.

Ich hab nämlich gar kein sooo riesiges Problem mit dieser Fahne. Trotz alledem, was da so dran hängt. Wenn diese auf einer Demo gewedelt wird, die ein mir wichtiges Anliegen hat, mache ich deswegen bestimmt nicht kehrt und gehe nach Hause. Dann lebe ich halt damit, dass die auch da sind. Nur auf einem fucking Parteitag, hat sie eben nicht unbedingt etwas verloren (und diese andere Flagge erst recht nicht). Denn dort setzt sie nämlich unsere Partei in ihren Kontext.

Der Witz ist, ich bin mit meiner Empörung schon eine ganze Stufe weiter (bzw. in Stufe 2 überhaupt erst eingestiegen). Was ich nämlich so echt nicht verstehen kann, also so wirklich nicht, ist warum einige werte Mitpiraten so echt nicht verstehen können, warum andere werte Mitpiraten es voll nicht so gut finden mit diesen Flaggen in Verbindung gebracht zu werden. Liegt es am völligen Unwillen überhaupt zu verstehen was des Gegenübers verficktes Problem ist? Liegt es vielleicht tatsächlich an völliger Ahnungslosigkeit der Materie (die zu allem Überfluss auch noch fleißig der Gegenseite vorgeworfen wird)? Oder ist es böse Absicht!? Wollt ihr Piraten des „anderen Flügels“ aus der Partei herausdrängen? Genau diesen Eindruck habe ich nämlich gerade. Aber selbst da, wo das nicht zutrifft, sind die anderen Erklärungen auch nicht gerade eine gute Grundlage gemeinsam eine erfolgreiche Partei zu betreiben. Was auch immer die Erklärung für dieses Aneinandervorbeireden (und teilweise Aufeinandereindreschen…) ist, wir sollten vielleicht mal daran arbeiten, wenn das nicht in einem allgemeinen Gemetzel enden soll.

Es ist absolut legitim nicht mit militanten, anarchistischen oder kommunistischen Gruppen assoziiert werden zu wollen. Und genau darum geht es, auch wenn noch so angestrengt versucht wird eine Auseinandersetzung um unsere Haltung zu Faschismus zu konstruieren. Dennoch entsteht bei uns langsam ein Klima, in dem es völlig normal zu sein scheint Leute als „rechts“ zu diffamieren, die ganz gerne ein wenig Abstand zwischen sich und Leuten hätten, die das staatliche Gewaltmonopol nicht akzeptieren. Wie durch muss man eigentlich sein, um überall nur noch Rechte zu sehen? Warum sind eigentlich auf einmal diejenigen die Bösen, die gerne eine klare Haltung gegen Gewalt als politisches Mittel in unserer Gesellschaft hätten? Seit Tagen lese ich aus x Richtungen die bizarrsten Rechtfertigungen für politisch motivierte Gewalt. Was zum Fick!?

Ich fange so langsam an mir die Frage zu stellen, wie verbreitet das bei uns inzwischen ist. Vielleicht wär’s ja ’ne gute Idee das mal zu klären. So manche politischen Einstellungen mischen sich nämlich nicht so wahnsinnig gut mit dem, was wir sonst noch so gerne tun würden. Wenn unser Programm in Zukunft lautet ein bisschen Internet, ein bisschen direkte Demokrate, ein bisschen BGE und ein bisschen Militanz und Rechtsstaat überwinden, dann können wir den Laden auch gleich dichtmachen. Das Wählerpotenzial einer Autonomenpartei liegt bei 0%. Nichtmal Autonome wählen eine Autonomenpartei. Und unser Programm ist nunmal nicht, was wir in unser Wiki schreiben, sondern das, wofür wir wahrgenommen werden. Zur Zeit schützt uns da vor allem, dass wir eher so gar nicht wahrgenommen werden, aber vielleicht bleibt das ja nicht ewig so. Und wenn sich dann mal auch andere als irgendwelche Wohlstandsblogger für dieses Thema interessieren, sollten wir vielleicht besser eine klare Haltung zum Rechtsstaat entwickelt und formuliert haben und nicht so ein Rechtfertigungsgewiesel, wie das zur Zeit en vogue zu sein scheint.

Kommentare
  1. Bernd sagt:

    „Ich fange so langsam an mir die Frage zu stellen, wie verbreitet das bei uns inzwischen ist.“ ich auch, und ich muss sagen ich habe das jetzt bei einigen (auch geschätzten) Piraten gesehen wo ich es nicht für möglich gehalten hätte. Das ist für mich ein echter Grund darüber nachzudenken ob ich hier richtig bin, denn so will ich keinen politischen diskurs in der eigenen partei führen müssen.

    Ansonsten danke das noch mal komplett zusammengeschrieben zu haben, ich hatte schon befürchtet mein Weltbild und meine Erfahrungen mit der Antifa sind eventuell falsch.

  2. piratenproll sagt:

    Danke.

  3. Wido Franke sagt:

    Danke. Du sprichst mir soooo aus der Seele.

  4. NervGan sagt:

    „Geschert“ anstelle von „geschoren“ klingt zwar total kacke aber darf man wohl laut diesem Duden.

  5. felicea sagt:

    Danke.

    Mir ging es genau wie dir. Ich hab mich länger gefragt, ob ich dazu etwas schreiben sollte oder besser nicht, aber du hast genau gesagt, was ich nicht besser hätte sagen können. Sage ich als Ex-Antifa.

  6. Ulan sagt:

    Danke für diesen Nachweis, dass man das, was mich an der Diskussion so nervt, nicht allein so sieht.
    Und danke für deine unmissverständliche Ausdrucksweise. Konnte ich nicht besser formulieren, obwohl ichs schon ein paar mal versucht habe.

  7. kpeterl sagt:

    Auch wenn ich dich sehr schätze, so sind doch einzelne Aussagen in deinem Post Falsch.

    So ist die aussage, das die Flagge ihren Historischen Ursprung „im paramilitärischen Rotfrontkämpferbund der 20er Jahre hat.“ gleich doppelt falsch.

    Zum einen sind auf dem Original Signet hintereinander nach rechts wehende roten Fahnen zu sehen. Die beiden roten Fahnen standen für die SPD und die KPD.
    Daraus abzuleiten, das ein Signet , das eine Rote und schwarze nach links wehende Flagge gleich diesem ist, ist dann doch gewagt. Ähnlich gewagt wie die Behauptung, die Deutsche und die Französische Flagge wären gleich.

    Zum Zweiten kam zwar die Idee zur Gründung des „Kampfbundes gegen den Faschismus“ , der Vorläuferorganisation der „Antifaschistischen Aktion“aus dem Rotfrontkämpferbund, dieser war aber schon verboten , als der Kampfbund gegründet würde.[1] Dies war allerdings 1930, was einige zeit von dem von dir behaupteten 20er Jahren entfernt ist.[2]

    Mit Stalinismus hatten diejenigen, die ihn gegründet haben und seinen Aufbau vorantrieben jedoch, entgegen deiner Denunziatorischen Behauptung, nichts gemein.

    Der „Kampfbundes gegen den Faschismus“, die direkte Vorläuferorganisation der Antifaschistischen Aktion hat Stalinismus im übrigen Angesichts zu tun. Die damalige Linie des Stalinismus war das festhalten an der Sozialfaschismus Theorie, die besagt, das die Sozialdemokratie der linke Flügel des Faschismus sei und somit der gefährlichste Gegner der Arbeiterklasse.[3]
    Der „Kampfbundes gegen den Faschismus“ setzte hingegen auf die „Einheitsfront von unten“ und hat so in Opposition zur Stalinistischen Linie agiert.

    Die „Antifaschistische Aktion“ wurde Ende Mai 1932 gegründet. An dieser sollte sich der Kampfbund beteiligen. Die „Antifaschistische Aktion“ selbst war nicht als Mitgliedsorganisation gedacht, sondern als aktionsorientiertes Sammelbecken der gesamten Arbeiterschaft gegen die „Aufrichtung einer faschistischen Diktatur“. Eine ihrer Hauptaufgaben sah sie darin, bisher erkämpften emanzipatorischen Errungenschaften der Weimarer Republik vor einem „Rückfall in die Barbarei“ durch den Faschismus schützen.[4]

    Das schützen der Errungenschaften einer Demokratie ist nun vieles, aber sicherlich nicht stalinistisch. Wenn doch, wäre die Piratenpartei ja eine Stalinistische Partei.

    Auch die Personen, die den Kampfbund und danach die Aktion gestützt haben sind vieles gewesen, nur keine Stalinisten.

    Vorsitzender des Kampfbundes war Hermann Remmele. Dieser wurde 1937 im rahmen der Stalinistischen Säuberungen ebenso wie seine Frau Anna und sein Sohn Helmut von den Stalinisten verhaftet und später getötet.[5]

    Der Wahlspruch des „Kampfbundes gegen den Faschismus“ bzw. der Antifaschistischen Aktion, „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!“ stammt von Heinz Neumann. Dieser wurde 1937 Opfer des Stalinismus.[6]

    Ach ja, der Wikipedia Artikel zur Antifaschistischen Aktion ist im Teil über die Weimarer Republik, mit Ausnahme der Erklärung zur Herkunft des Signets, falsch und fehlerhaft.[7]

    [1] http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44734#1
    [2] http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44734#1
    [3] http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialfaschismus
    [4] http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44734#1
    [5] http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Remmele
    [6] http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Neumann_(Politiker)
    [7] http://de.wikipedia.org/wiki/Antifa#cite_note-1

  8. crackpille sagt:

    Danke.

  9. Vorbei bei 2013 sagt:

    Zu spät. Die Chose ist schon gelaufen.

    Der Zeitpunkt des bösen Erwachens ist für die Nicht-Blindsteller längst gewesen……..

  10. k1l sagt:

    Danke.
    Vor allem viele Amtsträger machen sich gerade sehr stark im Gewalt gutheißen und legitimieren. Und der BuVo findet es auch noch toll. Das ist ein Eigentor, das der politische Gegner als Joker für zukünftige politische Debatten geschenkt bekommt.

  11. Bernd sagt:

    „Oder ist es böse Absicht!? Wollt ihr Piraten des “anderen Flügels” aus der Partei herausdrängen?“

    Natürlich ist es genau das. Ein aktuelles, viel verlinktes Strategiepapier der entsprechenden Kreise findet sich hier: http://peira.org/aufrecht-in-den-untergang/

    tl;dr: „Wahlen bringen nichts, weil man für den Erfolg machen muss, was eine nennenswerte Anzahl Wähler wollen. Die sind aber alle blöd und verstehen uns nicht. Also lasst uns einfach die Parteienfinanzierung einstreichen, uns gegenseitig Jobs verschaffen, und linksradikale Fundamentalopposition machen bis die Knete alle ist. Und wer diesen Weg so nicht mitgehen will, ist ein Reaktionär und gehört rausgeekelt. Je mehr abhauen, umso weniger Kompromisse müssen wir innerparteilich eingehen.“

    Und die Führer setzen das jetzt im Europawahlkampf schon um. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Asylrecht und Europasolidarität als Schwerpunktthemen irgendein nennenswertes Wählermobilisierungspotential besitzen?

  12. phil sagt:

    Danke!

    und ein großes Kompliment für Deine Schreibe.
    Ich esse kein Fleisch, und bin Christ. Für beides kann ich eintreten, aber natürlich werde ich das nicht in der Partei tun. Wenn irgendwelche Anhänger ihre Symbole jemandem überstülpen wollen, ist das einfach ein Ausdruck von fehlendem Respekt.

  13. Ehemaliger Piratenwähler sagt:

    Danke! Wahre Worte. Man kann nur hoffen, dass die Piratenpartei noch die Kurve bekommt und einige „Promi-Piraten“, die dieses Problem ausgelöst haben und immer noch voran treiben, mal deutlichen Gegenwind bekommen. Aber vermutlich ist die Zerschlagung der Partei deren Ziel, denn sie sind gut vernetzt und haben wichtige Positionen in der Partei eingenommen. Viele Piraten haben das Schiff ja bereits verlassen, daher habe ich leider nur wenig Hoffnung, dass sich das Blatt noch wendet. Im aktuellen Zustand halte ich die Piratenpartei nicht für wählbar. Drücke euch dennoch die Daumen das die Partei aufwacht.

  14. Lars sagt:

    Auch von mir Danke.

  15. FBMri sagt:

    Hallo StreetDog, ich bin dir auch sehr dankbar für deinen Beitrag, der eine gute Zusammenfassung ist. Besonderes Kompliment: Obwohl du dich nicht gerade kurz fasst, macht es Spaß das zu lesen.

    Wir müssen dringend unser Selbstverständnis klären und denjenigen, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre Minderheitenposition der ganzen Piratenpartei überstülpen wollen, eine deutliche, demokratisch legitimierte Absage erteilen.

  16. Torsten sagt:

    Danke, Streetdogg.

  17. Klaus sagt:

    Danke für diesen großartigen Artikel.

  18. Crazy Nugman sagt:

    Auch von mir einen Dank für den Betrag.

  19. Danke ebenso für diesen Beitrag, dem ich zu 100% zustimmen kann. Die Frage nach der Reichweite dieser – ich nenne sie mal linkstotalitären – Gruppen stelle ich mir auch.
    Wenn man sich Bundes- und Landesparteitage anschaut und etwas intensiver bei Twitter liest, lässt sich das erahnen. Ganz vorn ist sicher der LV Berlin inkl. Teile des AGH, die Mitarbeiter aus der gewaltbereiten oder stark ideologisierten Szene beschäftigen. In den LV Sachsen und LV BW lohnt sich meiner Meinung nach auch ein Blick, genauso wie in den Peira e.V. . Überall finden sich mehr oder weniger aktive Piraten, die der Meinungsfreiheit den Kampf angesagt haben, indem sie spalten, diskreditieren und eskalieren – quer durch alle Landesverbände. Mal kracht es wie bei dem Flaggengate oder irgendwelchen direkten Auseinandersetzungen (BPT 12.2/ 13.1). Zu dem Netzwerk gehören auch digitale Schlägertrupps der Marke Blockempfehlung, welche sich häufig aus dem Umfeld der Jungen Piraten speisen. Twitter ist der tagtägliche Schauplatz für gezielte Diskreditierung. Oftmals sind es aber auch schleichende Prozesse. Schaut z.B. die Versammlungsleitung der BPTs inkl. Orga-Team an, wie diese Versucht, ausschließlich ihre eigenen Dinge umzusetzen und damit erheblichen Einfluss auf Parteitage nimmt. Gleiches Spiel diese Woche mit einem Beauftragten für den Wahlkampf, der keinerlei Kritik annimmt und ebenso nur seine eigenen Vorstellungen der Partei überstülpen möchte. Warum verhält sich der aktuelle Bundesvorstand in Bezug darauf, in Bezug auf das Flaggengate, auch in Bezug auf einige Pressemitteilungen so, wie er sich verhält? Richtig, in dessen Umfeld sind auch basisfeindlich agierende Personen zu finden.

    Umgang damit schwierig – schon die Erkennung

    Zunächst muss einem klar sein, dass solche Aktionen immer unter einem Deckmantel mit positivem Anliegen stattfinden. Zum Flaggengate gehört der Kampf gegen Faschismus, zum om13gate die bösen anderen Twitterer und der Kampf dagegen, zum Piratinnencon-Gate bzw. der Sexismus-Scheisse auf der AV Berlin (evtl. auch AV EU) und der CreeperCard-Geschichte auf dem 29c3 der Kampf gegen die angeblich frauenfeindliche Männerherrschaft. Außerdem setzen sich gewisse Personen in Arbeitsprozessen (Versammlungsleitung, Awareness-Team), Ämtern und in Parlamenten fest. Dieser vermeintlich positive Anstrich gibt den Personen die Reichweite bis in die Mitte Piratenpartei. Viele haben bis zum Flaggengate gar nicht gemerkt, dass der Laden schleichend unterwandert wurde mit Extrempositionen von Linksaußen, Turbofeminismus sowie massiver thematischer Ahnungslosigkeit und Naivität (siehe Arbeit SG Presse Jan 2014).

    Beseitigung noch viel schwieriger

    Der Artikel von streetdogg lässt die Frage offen, und ich kann sie auch nicht wirklich beantworten. Wie soll man Abgeordneten, Gruppen, ja teilweise fast ganzen Landesverbänden beikommen? Wie soll man nach außen kommunizieren, dass die Piratenpartei nicht der verlängerte Arm von irgendwelchen kommunistischen, anarchistischen oder militanten Fantasien ist? Die Türen sind dafür nicht nur sperrangelweit offen, sondern die Möglichkeiten zum Gewinn der Meinungsführerschaft in Gliederungen durch den Mitgliederschwund größer denn je. Man muss sich auch bewusst darüber sein, dass wenige Piraten wie z.B. im AGH die Macht haben, die Piratenpartei durch ein fettes Gate von 5% auf 1% abstürzen lassen können, wenn sich die Partei nicht nach ihren Vorstellungen entwickeln sollte. Wenige Leute zerstören das, was viele mit wahnsinnig Zeitaufwand aufgebaut haben. Eine thematische Verengung wäre ein Anfang, auch Parteirausschmisse für Pro-Gewalt-Piraten (wird nicht mit diesem BuVo gehen), ein neuer BPT-Versammlungsleiter. Es gibt aber meiner Meinung nach keinen Schalter, den man einfach umlegen kann. Die Diskussionen müssen bis in die Mitte der Partei geführt werden wie hier um die Flaggen, um letztendlich den demokratiefeindlichen Ideologen und Strippenziehern gegen Meinungsfreiheit den Nährboden in der Partei zu entziehen.

    Tja, diese Diskussion hier ist übrigens komplett innerparteilich ohne jede positive Außenwirkung und hält Piraten von echter politischer Arbeit ab. Das nenn ich erfolgreiche Unterwanderung und digitale Brandstiftung durch Herrn Höfinghoff und Herrn Bokor oder, wenn es vermutlich nach deren Vorstellungen geht, ein Zurren der Partei in die richtige Richtung. Blickwinkel…

  20. Danke!

    Dennoch entsteht bei uns langsam ein Klima, in dem es völlig normal zu sein scheint Leute als “rechts” zu diffamieren, die ganz gerne ein wenig Abstand zwischen sich und Leuten hätten, die das staatliche Gewaltmonopol nicht akzeptieren. Wie durch muss man eigentlich sein, um überall nur noch Rechte zu sehen? Warum sind eigentlich auf einmal diejenigen die Bösen, die gerne eine klare Haltung gegen Gewalt als politisches Mittel in unserer Gesellschaft hätten?

    Und das bin ich von den extrem linken Kreisen gewohnt, in denen ich früher verkehrt habe. Alles was nicht mindestens so weit links oder staatsfeindlich ist wie sie, ist der „Feind“ mit dem nicht diskutiert wird, der nicht toleriert wird, der in Diskussionen einfach niedergeschrien, fertiggemacht und auch schon mal physisch angegriffen wird. Dieses Kindergartenverhalten belegt nur die Unreife der Extremisten.

    Als sehr friedliebender Mensch habe ich die Antifa Mitte der ’80er verlassen, weil Teile von denen derart radikal und gewaltbereit (teilweise sogar gewalttätig) wurden, daß ich das nicht mehr ausgehalten habe. Als ich mich von denen getrennt habe, wurde ich als „Verräter“ genau so behandelt, wie die einen Rechtsradikalen behandeln. Stalking, zerstochene Fahrradreifen und sabotierte Bremsen; einmal haben sie sogar die Rückscheibe meines Autos mit einem Pflasterstein eingeworfen …

    Ich mag nicht in einer Partei sein, in der Gewalt gutgeheißen wird und in der der „politische Gegner“ einfach niedergemacht und das Parteiprogramm grundsätzlich ignoriert wird. Mit den Nazi-U-Booten sind wir in der PP einigermaßen fertiggeworden. Können wir das jetzt bitte mal mit den Kommunisten und den Autonomen auch machen?

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